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Von berauschenden Festen und „Beicha“
25.04.2024
Kategorie: Aktuelles

Gröningen mit Teilorten, ein starker Teil der Gemeinde: So lautete das Motto des Historischen Abends in Gröningen anlässlich des Jubiläums 50 Jahre Gemeinde Satteldorf. Es ging um die richtige Begrüßung der Gröninger, Erlebnisse von Zeitzeugen und das „Hotel California“. 

Der Ellrichshäuser Ortsvorsteher Wilhelm Wackler hatte seinen Gröninger Kollegen Friedrich Albrecht jüngst in Stress versetzt, das gab Albrecht zu Beginn des Historischen Abends in der Gröninger Sport- und Festhalle unumwunden zu. Wie? Durch die Dauer des Historischen Abends in Ellrichshausen. Die Veranstaltung dauerte deutlich länger als zwei Stunden, und klar: dann kann Gröningen nicht viel kürzer machen. „Ursprünglich wären wir nach einer Stunde fertig gewesen, jetzt wird es zwei Stunden dauern“, erklärte Albrecht zu Beginn den rund 280 Besucherinnen und Besuchern in Gröningen. Damit hatte der Ortsvorsteher nicht ganz recht, am Ende waren es dreieinhalb Stunden. Womit er allerdings recht hatte, war mit seinem Versprechen zu Beginn: „Es wird nicht langweilig.“ Dafür sorgten unter anderem Zeitzeugen, die vor und während der Präsentation von Albrecht und Holger Haag sprachen. Sie sorgten dafür, dass die Gröninger Vergangenheit an diesem Abend nicht nur dank Bildern, sondern auch durch Erinnerungen und Erzählungen lebendig wurde.

Den Anfang etwa machte ein Gespräch zwischen Albrecht und Ingrid Brenner. Ingrid Brenner war in der Zeit kurz nach der Gemeindereform Mitarbeiterin der Gemeinde und arbeitete mit Walter Seng, ehemaliger Bürgermeister in Gröningen und später Ortsvorsteher, zusammen. Und, wie war das damals so? Man habe vieles erledigt, aber sich auch mal Zeit für ein Schwätzchen genommen. „Und wenn der ein oder andere mit einer Zigarre kam, hat man schon im Treppenhaus gerochen, wer kommt.“ Auf die Frage von Albrecht, wie man sich denn als Gröningerin in der Gemeinde Satteldorf fühle, antwortete sie: „So, wie es ist, ist es recht.“ Einen Hinweis hatte sie noch an Satteldorfs Bürgermeister Thomas Haas, der direkt im Anschluss die Gäste begrüßte. Bei „Liebe Satteldorferinnen und Satteldorfer“ fühle sie sich als Gröningerin nicht angesprochen. Verbesserungsvorschlag: „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger.“

Eins zu eins übernahm der Bürgermeister den Vorschlag zwar nicht, doch mit seiner Begrüßung „Liebe Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Satteldorf“ dürften sich alle angesprochen gefühlt haben. Thomas Haas sprach von „mutigen Entscheidungen“, die im Zuge der Gemeindereform und danach in der Gemeinde gefällt worden waren, und den „großen Respekt vor den Entscheidungsträgern, die in den vergangenen 50 Jahren Verantwortung in der Gemeinde getragen haben.“ Die Gemeinde Satteldorf sei nun längst zusammengewachsen – unter anderem, weil jeder einzelne gespürt habe, dass der Zusammenschluss viel Gutes bewirkt habe, etwa mit Blick auf die Infrastruktur. Haas: „Die Geschichte der Gemeinde ist eine Erfolgsgeschichte.“

Dann nahmen Holger Haag und Friedrich Albrecht die Besucher mithilfe einer Power-Point-Präsentation mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Die Bilder verdeutlichten: Gröningen stand auch vor der Gemeindereform gut da, Turn- und Festhalle, Schule, Badeteich und mehr: „All die Dinge waren da“, so Haag.

Direkt nach der Gemeindereform ein riesiges Thema: der Bau der Autobahn und das Flurbereinigungsverfahren. 27 Brücken wurden in dieser Zeit gebaut, 66 Kilometer Wege ausgebaut und fünf Seen angelegt. In der Zeit von 1976 bis 1996 kostete das Flurneuordnungsverfahren rund 8,6 Millionen Deutsche Mark. Der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft Karl Rupprecht brachte den Besuchern diese Zeit ebenso näher wie Karl Rüger. Letzterer trug ein Gedicht zum Thema vor, das verdeutlichte, dass man sich mit den „Herren vom Amt“ nicht immer ganz einig war. Ein kurzer Auszug:

„Am Oufang wou mer ausgsteckt hewa, hats manchi Üwerraschung gewa.

Die Herre vom Amt hewa Beicha gwellt, und mir halt grood so wis uns gfellt.

Und gradi Weech des derf ned sei, do missa afach Beicha nei.

Glabds doch, sou hat mer uns beschwört, ohne Beicha wird eich nix gewährt.

Wie oft hemer d‘Stecka rauszoucha und widder anderscht gstreckt d‘r Boucha.

Biss allzwua Seida san zfriede gwe. Des woar oft hart, aber trotzdem schee.“

Weiter ging es durch die jüngere Gröninger Geschichte, es stellten sich die Vereine und die Teilorte Bronnholzheim und Bölgental vor. In Bronnholzheim gab es einst mit dem „Hotel California“ eine Disco, in der viele junge Männer aus dem Ort ihre jetzigen Partnerinnen kennenlernten, wie Albrecht verriet. Heute ist im Gebäude der Gemeindesaal untergebracht. Friedrich Albrecht zu Pfarrer Dominik Gablowski: „Ich wünsche Ihnen genauso berauschende Feste, wie wir sie früher hatten.“ Albrecht warb außerdem für Verständnis für die Jugendlichen heute. „Wenn nachts ein Moped bei Ihnen vorbeiknattert oder es mal wieder lauter wird, haben Sie zwei Möglichkeiten: Entweder, Sie regen sich auf und schlafen schlecht, oder Sie denken an Ihre Jugend und schlafen gut.“

Anschließend stellte Marcus Mayer Bölgental vor. Das Dorfgemeinschaftshaus sei damals, im Jahr 1973, noch schnell gebaut worden – aus Angst davor, dass nach der Gemeindereform keines gebaut werden dürfe. Den Sanitärler habe man damals mit einem zerlegten Reh bezahlt. „Das waren damals die Deals.“ Heute wird im Dorfgemeinschaftshaus gewählt, worauf die Bölgentaler besonders stolz sind, denn: „Hier hat Ihre Stimme noch Gewicht“, so Mayer. Kein Wunder, bei gerade einmal etwas mehr als 100 Wahlberechtigten im Wahlkreis.

Foto 1: Musik Made in Gröningen: Die Gronachtaler Blasmusik (Foto) und der Chor Enjoy sorgten für die musikalische Unterhaltung. Unter den 280 Besucherinnen und Besuchern in der Halle waren Dekan Rainer Köpf, Pfarrer Dominik Gablowski, Pfarrer i. R. Wolf-Dieter Kaiser, Bürgermeister Thomas Haas und Bürgermeister a.D. Kurt Wackler, Irina Michnowez (Hausdirektorin Alexandrinenstift), Margot Seng, Frau des letzten Gröninger Bürgermeisters, Susanne Hammer sowie die Vereinsvertreter Dieter Hüttner (Liederkranz Sportfreunde Gröningen), Marco Heißwolf (Gronachtaler Blasmusik), Maria Göllinger (Schwäbischer Albverein, Ortsgruppe Satteldorf), Tobias Mayer (Schützenverein Bölgental), Andreas Etzel (SpVgg Gröningen-Satteldorf), Christine Herrmann (Landfrauen Gröningen), Miriam Feuchter und Nicole Früh (Dorfgemeinschaft Helmshofen), Stephanie Rein-Häberlen (Bürgerinitiative Steinbruch Bölgental – Nein Danke), Friedrich Albrecht (Förderverein Hammerschmiede) sowie von der Dorfjugend Gröningen Sebastian Lerch, Matthias Grimm und Lenard Kraft.

Foto 2: Ortsvorsteher Friedrich Albrecht (Foto) führte gemeinsam mit Holger Haag durch den Abend.

Foto 3: Zeugen der Geschehnisse um die Zeit der Gemeindereform und danach berichteten von ihren Erfahrungen, unter anderem Ingrid Brenner (Foto), Ernst Reu, Karl Rupprecht und Karl Rüger.

Foto 4: Bürgermeister Thomas Haas begrüßt die Gäste in der Halle.

Von berauschenden Festen und „Beicha“
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